Philosophie

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‚Berufen‘ würde man einen Menschen wie Martin Sinzinger wohl bezeichnen, wenn man seinen Lebensweg betrachtet: ein Kind, das beim Strolchen durch die heimatlichen Salzachauen öfter mal die Hausaufgaben vergisst, dem die Umwandlung einer Kaulquappe in einen Frosch, einer Raupe in einen Schmetterling oder die versteinerte Muschel in einem Flusskiesel wichtiger sind als mathematische Formeln oder Vokabeln. Ein Jugendlicher, der sich vom ersten Lehrlingslohn eine Kamera kauft – weil er nach eigener Einschätzung nicht gut genug zeichnen kann um die Schönheit der Natur zu illustrieren. 30 Jahre später hat der Naturfotograf, Naturforscher und Naturliebhaber Martin Sinzinger ein Werk geschaffen, das die Konstanten eines umfassenden Wissens, der Fotografie, der Ästhetik und der pädagogischen Vermittlung in sich vereint. Keines ist ohne das jeweilig andere denkbar: unermüdlich arbeitet er an einer Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten der Fotografie, um die durch intensives Studium der Natur gewonnen Eindrücke und Einsichten in ihrem Zauber auszugestalten und dem Zuschauer mitteilbar zu machen.

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Die Fotografie ist ihm das Mittel, das souverän eingesetzte Handwerkszeug, um die Schönheit der Natur, die Flüchtigkeit des Augenblicks, den Ausdruck der Naturerscheinungen konzentriert, wesentlich, eindrucksvoll festzuhalten. Als Licht- und Lebensstudien bezeichnet er sein Arbeitsfeld, da dieser Begriff mehr auf das Feinere, weniger augenfällige, auf das die Natur durchdringende und sie rhythmisierende Leben weist.

Martin Sinzinger, Jahrgang 67, ist im bayrischen Chiemgau zu Hause. Von hier aus organisiert er auch seine Vortragstouren, seine FotoWorkshops, –Exkursionen und –Reisen sowie zusammen mit seiner Frau Ulrike Sinzinger Naturerlebnisse unter dem Label ‚Naturbegegnung Wanderreisen‘. Er betreibt die Internet-Seite ‚Schoenheit entdecken‘, die sich der Erforschung von Gestalt- und Lebenskräften widmet. Beheimatet ist er an all den Orten der Natur und der Schönheit, zu denen er durch Arbeit und Gestaltung innige Beziehung aufgenommen hat, und dieser Kreis ist weit gespannt, von den Eleonorenfalken auf Sardinien zu den Seeschwalben der Nordsee, von den Steinböcken der Julischen Alpen zu den Sabellen des Mittelmeers, von knorrigen jahrhundertealten Buchen Mecklenburgs zu den Ragwurzen der Toskana oder zum korsischen Edelweiß.

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BEGEGNUNG MIT DER NATUR

Meiner gesamten Auseinandersetzung in der Naturfotografie liegt die Bemühung um eine tiefere Beziehung - um eine Begegnung - mit der Natur zugrunde. Dazu scheint es mir zielführend, die Aspekte der Natur einerseits zu differenzieren, andererseits aber auch in ihrem Zusammenhang – man könnte auch sagen, in ihrem Zusammenklang – sehen zu lernen. Die gesamte Natur erscheint zuerst einmal als eine großartige Symphonie, die man vielleicht ganz einfach „schön“ findet.

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Wahrnehmung und Ästhetik

Für deren tiefere Wertschätzung wird man sich aber auch gerne – um im Vergleich zu bleiben - um eine gewisse Kenntnis der Tonlagen und der Komposition bemühen. Um dorthin zu kommen, erscheint es wichtig, die Wahrnehmung und die Gedanken immer mehr zu weiten und sowohl die Einzeltöne als auch den „Gesamtklang“ zu erahnen – wohl wissend, dass es sich dabei um Bemühungen handelt, die gegenüber der Unermesslichkeit der Schöpfung eine nur partielle Erkenntnis bleiben. Geistes-wissenschaftliche Forschungen wie von Rudolf Steiner und Heinz Grill können hier jedoch äußerst wertvolle Impulse geben und unsere meist sehr einseitig geprägte Gedankenbildung wesentlich erweitern

Je nachdem, was wir der Natur und den Bergen entgegenbringen, so wird ihre Antwort in einer freudigen Wärme und harmonischen Ökologie uns wieder entgegengehen.
Heinz Grill, »Der Archai und der Weg in die Berge«
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DREI NATURREICHE

Eine erste einfache Differenzierung ist die Gliederung in drei Naturreiche: Die Mineralien, welche das „Grundgerüst der Landschaft“ erbauen, die Pflanzen, die als belebte und lebensspendende „Hülle“ auf und in der Erde wurzeln und sich mit ihrem Blattwerk und insbesondere den Blüten zum Himmel, zur Sonne ausrichten. Und dann die Welt der Tiere in ihrer unfassbar vielfältigen Ausgestaltung, in ihrer Mobilität und ihren so faszinierenden Sinnen und Fähigkeiten.

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